Schwacke Newcomer Dezember 2018

Schwacke Newcomer Dezember 2018


Neue Modelle im Forecast – Fahrverbote? Wen kümmert’s?  –  SUVs von charmant bis kernig

Im Dezember haben wir wieder die ersten Restwertprognosen für interessante Fahrzeugneuerscheinungen in unsere Datenbank aufgenommen:

  • BMW X5
  • Borgward BX7 TS
  • Citroën C5 Aircross
  • Jeep Wrangler
  • Mercedes-Benz GLE

Borgward BX7 TS – Stuttgart, Bremen, Peking – Hauptsache SUV

Nachdem der BX7 zunächst als limitierte Version in Vollausstattung auf den deutschen Markt kam, folgen nun die „Serienversionen“. Allerdings wurde die Limited Edition zum gleichen Preis angeboten wie das jetzt aktuelle Serienmodell und die Unterschiede liegen wohl in erster Linie in der nun verfügbaren und seit September zur Zulassung notwendigen Euro 6d-Temp Norm. Der noch in China produzierte BX7 TS ist recht üppig ausgestattet, bietet aber keinerlei Optionen.

Grundsätzlich ein Pluspunkt mit Blick auf die Wiedervermarktung, da keine minderausgestatten Modelle auf den Markt kommen. Allerdings fehlen für den gewünschten „Luxus-Effekt“ ein paar Dinge wie z.B. LED-Hauptscheinwerfer, Leichtmetallfelgen größer als 18 Zoll und moderne Assistenzsysteme wie ein adaptiver Tempomat. 212g CO2-Emission im Mittel sind auch für einen Benziner-SUV nicht mehr zeitgemäß.

Das Vertriebs-Konzept der in Stuttgart ansässigen Borgward Group, scheint ebenfalls noch nicht schlüssig: Mangels Vertriebs-/Werkstattnetz erfolgt der Service über A.T.U.-Stützpunkte, die zwar die notwendige Abdeckung gewährleiten, aber nicht wirklich zum Thema Anspruch passen. Die Garantie wird auf 4 Jahre angehoben, bleibt aber unter den sonst bei Verlängerungen gängigen 5 Jahren. Für die Generationen, denen der Name Borgward noch was sagt, fehlt also der Bezug zum damaligen Premium-Image und für die Jüngeren schaut der BX7 TS lediglich nach einem weiteren günstigen asiatischen SUV aus. Vielleicht hilft ja die angekündigte, dann im traditionsbehafteten Bremen gebaute Elektrovariante der Marke zum Erfolg auf dem deutschen Markt.

Citroën C5 Aircross – Nummer 5 lebt

Die Marke mit dem Doppelwinkel renoviert kräftig ihre Modellpalette und zielt zeitgemäß in Richtung SUVs. Größentechnisch fällt der C5 Aircross in die Kategorie der Kompakt-SUVs, die eigentlich die Reihennummer 4 tragen. Womöglich ist die Benennung ein Versuch Kunden des eingestellten früheren Mittelklasse-Modells C5 zu gewinnen. Allerdings hat dieser „Kniff“ schon beim C4 Cactus zu Verwirrung geführt und bräuchte auch aus Vermarktungssicht eine klare Linie.

Optisch hat der Citroën mit seinen Plattformbrüdern aus dem Konzern 3008, DS7 Crossback und Grandland X wenig gemeinsam und präsentiert sich mit dem frischen Markengesicht. Seine besonderen Attribute sind Geräumigkeit und Fahrkomfort. Allerdings finden sich bereits jetzt im Netz bei den üblichen Neuwagenportalen Angebote mit Nachlässen jenseits von 20%. Eine Verkaufshilfe, die der neue SUV nach dem erfolgreichen Start seines kleinen Bruders C3 Aircross – auch aus Restwertsicht – eigentlich nicht nötig haben sollte.

Jeep Wrangler – Tradition verpflichtet

Was soll man zu einem Urgestein wie dem Jeep Wrangler schreiben? Die vierte Generation kommt nach 11 Jahren neu auf den Markt und sieht aus, wie man ihn erwartet hat: Bold! Das Vorgängermodell erlebte allerdings im August 2018 wohl aufgrund der WLTP-Einführung den mit 415 bei weitem stärksten Zulassungsmonat seit mehr als 15 Jahren und hinterlässt dem aktuellen Modell eine schwere Bürde.

Dreiviertel dieser Zulassungen waren taktische Zulassungen und werden wohl als sehr junge günstige Gebrauchte dem Neuen das Leben schwermachen. Zumal dessen Listenpreise auch aufgrund von Mehrausstattung kräftig angewachsen sind. Die Fans werden ihn trotzdem lieben, wo sonst bekommt man Leiterrahmen, Hardtop-, Softtop-Versionen (jetzt sogar elektrisch), kann Dachhälften abnehmen und die Windschutzscheibe umklappen? Und mit der Dieselversion darf man – welch Ironie – wegen Euro 6d-Temp-Einstufung trotz Fahrverbot sogar in die Innenstadt, …findet nur leider keinen Parkplatz.

BMW X5 und Mercedes-Benz GLE – Noch kein Ende im Gelände

Der neue Mercedes GLE löst nun endlich den als ML geborenen Vorgänger ab und sein Münchner Rivale tritt in vierter Generation in die Fußstapfen seines zuletzt noch sehr erfolgreichen Vorgängers. Während beim GLE die Verfügbarkeit in 2018 rapide abnahm konnte der X5 sich zahlenmäßig vom GLE dadurch klar absetzen, nachdem beide in den beiden Jahren zuvor fast zwanghaft nahezu identische Neuzulassungen produzierten.

Der neue Mercedes nimmt für sich in Anspruch, reichlich technische Innovationen zu bieten, während der BMW stark auf das Thema Motorisierung setzt. So verwundert es nicht, dass in unserem Restwertvergleich der BMW deutlich besser performt. Ist der 30d des X5 doch ein „echter“ Dreiliter-Sechszylinder während den GLE 300d „nur“ ein Zweiliter-Vierzylinder antreibt. In diesem Segment durchaus ein Argument, das sich sowohl im Neu- wie im Gebrauchtwagenpreis niederschlägt.

Beide sind – im besten Sinne – ausgezeichnete Repräsentanten ihrer Marken und bieten alle modernen Merkmale zuzüglich einer gehörigen Portion Offroadtechnik. Die benötigt zwar hierzulande selten jemand, aber zum einen ist das ein wichtiges Element zum Erfolg in manchen Märkten wie z.B. unserem Nachbarland Schweiz. Zum anderen zahlt es auf das Marken- und Modellimage positiv ein. Damit setzen sie einen auffälligen Gegentrend zur Tendenz der in allen Segmenten Einzug haltenden einachsig angetriebenen SUVs ohne wirkliche Geländeattribute. Möge der Bessere gewinnen.

Schwacke Newcomer Dezember 2018

 


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