Schwacke Newcomer Januar 2020 – “E”uropa holt auf – Die Zukunft hat ihren Preis

Schwacke Newcomer Januar 2020 – “E”uropa holt auf – Die Zukunft hat ihren Preis


Im Januar haben wir wieder Restwertprognosen für interessante Fahrzeugneuerscheinungen in unsere Datenbank aufgenommen:

  • Audi e-tron Sportback
  • Polestar 2
  • Ford Puma

 Audi e-tron Sportback – Eine Frage des Geschmacks

Wie wichtig dem VW Konzern die Transition zur E-Mobilität ist, merkt man nicht nur an den Verlautbarungen über Investitionssummen, sondern auch an den Modellen. Ist es bei VW die markenbildende Golfklasse, startete man bei Audi in deren SUV-Flaggschiffsegment. Der e-tron und auch sein neuer Karosseriebruder Sportback reichen von den Abmessungen her knapp an den Q7 heran. Preislich können die Stromer dabei sogar ganz gut mithalten und beginnen wie die ‚Q’s bei ca. 70.000€. Die Entscheidung zwischen Sportback und dem bisherigen e-tron macht allerdings mehr als 2.000€ aus. Was man dafür mehr bekommt, erschließt sich nicht so richtig. Identische Außenlänge, Radstand und Überhänge, Ausstattung und Aufpreise lassen nur den Schluss zu, dass es die Coupé-Dachlinie sein muss, die es Kunden wert sein soll. Insgesamt tragen die e-trons ihre ungewöhnliche Antriebsform auch nicht besonders offensiv nach außen. Außerdem machen die Preislisteninhalte Verbrennerkunden den Umstieg sehr einfach und es finden sich dort zu gewohnten Preisen die üblichen Aufrüstelemente aber wenig Elektro-spezifisches. Einzig der virtuelle Kamera-Außenspiegel ist ein exklusives, optisches und technisches Highlight. Jedoch ist die zugehörige Bildschirmpositionierung in den Türen unterhalb der Seitenfenster für manche Nutzer eher gewöhnungsbedürftig. Auch ein Kuriosum der Preisliste stellt wohl das gegen 25€ bestellbare Bordwerkzeug und Wagenheber dar. Warum diese beim Q7 ohne lächerlichen Mehrpreis angebotene Option zur Wahl gestellt wird, bleibt ein kleines Rätsel. Als Fazit kann man aber festhalten, dass man bei Audi für den Preis eines großen SUV, einen großen und alltagstauglichen Elektro-SUV bekommt, dessen Erfolg aber noch für die kommenden Jahre von zahlreichen fahrzeugunabhängigen Faktoren stark abhängt. 0,5% Dienstwagensteuer und Kaufprämie sind ein guter Anfang, aber helfen in erster Linie dem Erstnutzer und kaum dem privaten Gebrauchtwagenkäufer.

 

Polestar 2 – Frische Brise aus dem Norden

Der Name Polestar war bis 2017 eher einem kleineren Kreis von Volvo-Fans mit Hang zu Motorleistung und Tuning als „schwedische AMG“ mit Modellen in charakteristischem Rebel Blue bekannt. Seitdem steht Polestar aber als eigenständige Marke nur noch zweitrangig für Performance im chinesischen Volvo-Mutterkonzern Geely, sondern vor allem für eigenständige Elektromodelle mit schwedischem Design. In Deutschland startet nun das Modell 2. Der Polestar 1 – ein Plug-In Hybrid – war bislang hierzulande nicht erhältlich. Das Konzept des 2 überzeugt auf den ersten Blick: Geely/Volvo-Technik mit eigenständigem, aber wiederkennbarem Design und coolen Features wie gelbe Sicherheitsgurte und Bremssättel. Der Polestar 2 ist dabei bereits auf den ersten Blick ein direkter Tesla Model 3 Konkurrent. Eine Mittelklasse-Limousine, die sportliche, finanzstarke und designorientierte Kunden begeistern soll, womöglich aber ein kleines bisschen weniger „speziell“ daherkommt. Preislich auf ähnlichem Niveau hat Tesla den Vorteil, die bereits etablierte Marke, den Nimbus des erfolgreichen Pioniers sowie das Vertrauen der Kunden in die Technik zu besitzen. Polestar kann hingegen mit einem in der Großserienfertigung erprobten Produzenten und Betreuung unter dem Volvo-Dach punkten. Leistung hat der Polestar 2 mit 408 PS genug und die WLTP-Reichweite liegt bei 500km mit Tesla auf ähnlichem Niveau. So wird sich der Schwede trotz guter Voraussetzungen zunächst dennoch schwertun, ähnlich beeindruckende Stückzahlen wie sein amerikanischer Konkurrent zu erzielen. Aber moderate Stückzahlen waren ja schließlich schon immer förderlich für den Wiederverkauf.

Ford Puma – Gezähmtes Raubtier

Aktuell scheint es Ford mit der Kontinuität von Modellnamen nicht so genau zu nehmen. Wird das ikonische Muscle Car Ford Mustang gerade von einem weniger muskulösen Elektro-Fahrzeug namentlich beerbt, ist den älteren Ford-Enthusiasten der Name Puma als Kleinwagen-Coupé und Opel Tigra Gegner des letzten Jahrtausends in Erinnerung. Beides ist Geschichte und Puma nennt sich nun die im Vergleich zum EcoSport etwas größere und deutlich gefälligere Ford Interpretation eines Kleinwagen-Crossover. Das Motorenangebot beschränkt sich auf zwei sparsame Benziner, die beide mit Mild Hybrid und der schwächere davon auch ohne 48V-Unterstützung erhältlich sind. Eine förderungsfähige elektrifizierte Antriebsart fehlt also noch und ebenso ein Automatikgetriebe oder eine echte ST-Motorvariante für dynamikorientierte Käufer. Preislich beginnt der Puma dort wo der Fiesta aufhört und liegt damit im Wettbewerbsvergleich recht ambitioniert. Die bereits kursierenden Nachlässe versprechen allerdings Druck auf die Wiederverkaufswerte. Dafür bildet den Einstieg bereits die sonst auf anspruchsvolle Kunden zielende Titanium Ausstattungslinie. Diese weist eine anständige Zahl an Assistenzsystemen inklusive Navigation, Verkehrszeichenerkennung und 17 Zoll Leichtmetallfelgen sowie LED Abblendlicht auf. Es werden also grundsätzlich recht gut ausgestattete Gebrauchte im Markt auftauchen, denen nichts Wesentliches fehlt.

Schwacke Newcomer Januar 2020

 

 

 

 


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